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Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen der Gesundheitsförderung
 

Einführung

Die internationale und nationale Entwicklung der Gesundheitsförderung steht in enger Wechselwirkung mit der Entwicklung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Union (EU). Der Prozess wird einerseits durch die seit den 1970er Jahren entstehenden sozialen Bewegungen vorangetrieben, andererseits durch die Weiterentwicklung institutioneller Strukturen. Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Perspektive auf Gesundheit von der individuellen Ebene mit ausschließlich medizinischem Fokus zu einer intersektoralen, bevölkerungsbezogenen Perspektive herausgebildet.

Als Geburtsstunde ist die Präambel der WHO von 1948 anzusehen. In der Verfassung steht: Gesundheit ist der Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist eines der Grundrechte jedes Menschen, ohne Unterscheidung nach ethnischer Herkunft, der Religion, der politischen Überzeugung sowie der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.

Die rechtliche Zuständigkeit in der Europäischen Gemeinschaft (EG) hat sich für das Thema Gesundheit von den Vertragsstationen Maastricht (1993), Amsterdam (1999) bis Lissabon (2009) ständig erweitert. Begleitet wird dies durch zwei finanziell geförderte Aktionsprogramme zur öffentlichen Gesundheit (2003–2008; 2008–2013). Weitere Instrumente sind Grün- und Weißbücher zu relevanten gesundheitsbezogenen Themen und daraus abzuleitende gesetzliche Vorgaben beziehungsweise nationale Handlungsprogramme.

Die Europäisierung der Prävention und Gesundheitsförderung erfolgt nicht ohne Widerstand der zurzeit 28 EU-Mitgliedsländer, insbesondere auch aus Deutschland. Hier kommt erschwerend hinzu, dass Gesundheit auf der Ebene der 16 Bundesländer geregelt ist. Die Steuerung der Bundesebene bleibt begrenzt auf Handlungsprogramme, Modellprojekte und Gesetzesänderungen vor allem im Rahmen des Sozialgesetzbuches (SGB). Daraus sind entsprechende Aufträge beziehungsweise Verpflichtungen für die Leistungsanbieter beziehungsweise -erbringer abzuleiten. Während zwei Anläufe zum Bundespräventionsgesetz im letzten Jahrzehnt gescheitert sind, hat sich insbesondere über den § 20 SGB V eine umfangreiche Förderungslandschaft für Prävention und Gesundheitsförderung durch die gesetzlichen Krankenkassen aufgebaut. Hiervon profitieren letztendlich seit Jahren unter dem Aspekt der betrieblichen Gesundheitsförderung beziehungsweise dem Setting-Ansatz auch die Hochschulen. Darüber hinaus hat in den letzten 20 Jahren die Anzahl gesundheitsbezogener Studiengänge an den Hochschulen zugenommen. Die Vielfalt wird durch die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe noch weiter anwachsen.