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Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen der Gesundheitsförderung

 

Die Europäische Union als Akteur der Gesundheitsförderung

Seit den 1990er Jahren ist die EU ein wichtiger Akteur und Geldgeber der Gesundheitsförderung. Über die Finanzierung ausgeschriebener Programme und Forschungsprojekte hinaus übernimmt die EU vor allem eine Koordinierungsfunktion in der Zusammenarbeit der zurzeit 28 Mitgliedsstaaten.

Neben den Aktionsprogrammen spielt für die Entwicklung der Gesundheitsförderung auf europäischer Ebene auch die Gesundheitsforschung eine wichtige Rolle. Darüber hinaus sind der Aufbau einer europäischen Gesundheitsstatistik durch Eurostat, der Auf- und Ausbau einer europäischen Gesundheitsberichterstattung sowie der Auf- und Ausbau eines gesundheitlichen Verbraucherschutzes von besonderer Bedeutung. Die Tabelle 1 fasst die historischen Ereignisse und deren Inhalte bezogen auf die Aktivitäten der EU im Zusammenhang mit Gesundheit und Gesundheitsförderung zusammen.
 

Tab. 1: Auswahl an Schritten der EU zu einer Ausweitung des Mandats im Zusammenhang mit Gesundheit sowie Prävention und Gesundheitsförderung (vgl. Kaba-Schönstein 2011 d)


Aktionsprogramme | Seit den 1990er Jahren werden EU-Aktionsprogramme zur öffentlichen Gesundheit und Gesundheitsförderung entwickelt. Die einzelnen Aktionsprogramme sind:

Diese aufgeführten Einzelprogramme wurden im Jahr 2002 von einem neuen, einheitlichen Aktionsprogramm der Gemeinschaft im Bereich öffentliche Gesundheit (2003–2008) mit folgenden Zielen ersetzt:

Mit dem Programm soll eine effizientere Abstimmung zwischen den Initiativen und den Aktionen der EU und der Mitgliedsstaaten gewährleistet und die Koordination bestehender und künftiger Netzwerke im Bereich der öffentlichen Gesundheit verbessert werden.

Im Zusammenhang mit Programmen beziehungsweise Gesetzesinitiativen kann es auf EU-Ebene zur Veröffentlichung sogenannter Grün- beziehungsweise Weißbücher kommen. Die Bücher enthalten Expertisen zu den jeweiligen Themengebieten. Während das Grünbuch als Grundlage für eine öffentliche und wissenschaftliche, im Ergebnis offene Diskussion dienen soll, fasst das Weißbuch die daraus hervorgehenden offiziellen Handlungsvorschläge für die Gemeinschaft zusammen.

Weißbuch | Im Jahr 2007 wurde das Weißbuch „Gemeinsam für die Gesundheit: ein strategischer Ansatz der EU für 2008–2013“ als ein neues, einheitliches Konzept vorgelegt. Zentrales Anliegen ist es, Gesundheitsbelange in alle Politikbereiche zu integrieren. Die entwickelte Strategie, die im Weißbuch skizziert ist, soll richtungsweisend sein, um Herausforderungen und Aufgaben in Gesundheitsfragen effektiv bewältigen zu können. Die Vorgehensweise stützt sich auf vier Hauptprinzipien:

Das zweite aktuelle Aktionsprogramm der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit (2008–2013) baut auf seinem Vorgängerprogramm auf und ist Hauptinstrument zur Umsetzung der Strategie der Europäischen Kommission „Gemeinsam für die Gesundheit 2008– 2013“. Es hat folgende drei übergeordnete Ziele:

Das Aktionsprogramm hebt die Bedeutung von Investitionen in die Gesundheit beziehungsweise Gesundheitsförderung hervor. Die Notwendigkeit zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten und die Beeinflussung von sozioökonomischen Determinanten der Gesundheit werden ebenso betont.

Grünbuch | Auf Grund der Bedeutung für das Setting Hochschule sei an dieser Stelle stellvertretend auf das Vorgehen der EU zur Erhaltung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung hingewiesen. Am Beispiel der oben geschilderten Vorgehensweise hat die Europäische Kommission im Jahr 2005 das Grünbuch „Die psychische Gesundheit der Bevölkerung verbessern – Entwicklung einer Strategie für die Förderung der psychischen Gesundheit in der Europäischen Union“ veröffentlicht. Im Jahr 2008 beschlossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der EU-Konferenz „Gemeinsam für psychische Gesundheit und Wohlbefinden“ darauf aufbauend den „Europäischen Pakt für psychische Gesundheit und Wohlbefinden“. Nach einer Serie von thematischen Konferenzen hat der Rat der EU am 6. Juni 2011 die „Schlussfolgerungen des Rates zum Europäischen Pakt für psychische Gesundheit und Wohlbefinden: Ergebnisse und künftige Maßnahmen“ im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Dies verschafft dem Thema für die nächsten Jahre eine übergeordnete gesamtgesellschaftliche Bedeutung, von der speziell auch die Hochschulen auf verschiedene Weise betroffen sind.

 

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