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Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen der Gesundheitsförderung

 

Gesundheitsförderung auf Kommunalebene

Die Landesvereinigungen für Gesundheit können mit Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung nur begrenzt auf die Gebietskörperschaften des jeweiligen Bundeslandes Einfluss nehmen. Auf der Ebene der Landkreise, kreisfreien Städte, Kommunen und Gemeinden sowie der Bezirke der Stadtstaaten werden daher die meisten Aktivitäten im Gesundheitsförderungsbereich von den über 400 Gesundheitsämtern in Deutschland wahrgenommen.

Es gibt bundesweit keine Erfassung darüber, welche personellen und fachlichen Kapazitäten in den Gesundheitsämtern vor Ort für den Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zur Verfügung stehen und was dort konkret beziehungsweise auf welcher Grundlage gemacht wird. Es ist auch nicht bekannt, in welchem Umfang die gesetzlich Krankenversicherten, die in einer Gebietskörperschaft wohnhaft sind, durch direkte Vereinbarungen mit den Krankenkassen, zum Beispiel auf der Ebene der Landkreise, von den Geldern des § 20 SGB V profitieren. Im Vergleich zur Bundes- und Landesebene sowie zur Kommune waren die Verwaltungsorgane der Gebietskörperschaften, bis auf die Bezirke der Stadtstaaten und die Städte im Kontext des Gesunde- Städte-Netzwerks, bisher nur in einem geringen Umfang die Adressaten von Prävention und Gesundheitsförderung. Auf der Ebene der Städte beziehungsweise Kommunen existieren verschiedene Programmatiken mit gesundheitlichem Bezug, die durch die Perspektiven der Akteure teilweise auch miteinander konkurrieren. So finden sich neben den Aktivitäten zur lokalen Agenda 21 auch Entwicklungskonzepte aus dem Bundesprogramm Soziale Stadt. Als Keimzelle des Setting-Ansatzes gilt das Gesunde-Städte-Netzwerk, das im Jahr 1989 auf Bundesebene im Kontext des internationalen WHO-Netzwerks Healthy Cities gegründet wurde. Das Gesunde- Städte-Sekretariat befindet sich zurzeit in Münster. Seit der Gründung vor über 20 Jahren sind bisher 70 Städte in Deutschland dem Netzwerk beigetreten.

Konzeptionell sollten die gesunden Hochschulen ein Teil-Netzwerk des Gesunde- Städte-Projektes darstellen. Eine Entwicklung, in der eine gesunde Stadt als Dachnetzwerk für die anderen settingbezogenen Lebenswelten fungiert, hat sich in Deutschland jedoch nie durchgesetzt. In den 1970er Jahren wurde bereits ein Konzept für Hochschulen in regionaler Verantwortung für Gesundheit von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Co-operation and Development, OECD) entwickelt. Das global ausgelegte Konzept zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung konnte sich ebenfalls nicht durchsetzen.

Zurzeit wird in Deutschland vom Kooperationsverbund Gesunde Hochschulen e. V. (HOGE) dieses Konzept unter dem Blickwinkel der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe neu belebt. Unabhängig von übergeordneten Programmatiken und Netzwerken gilt die kommunale Gesundheitsförderung geradezu als Hoffnungsträger, um die zukünftigen Potenziale der Gesundheitsförderung vor Ort besser verankern zu können. Die kommunale Gesundheitsberichterstattung könnte darüber hinaus in Abstimmung mit dem Datenschutz die im Rahmen des ÖGD gewonnenen Untersuchungsdaten bis zur einzelnen Kindertageseinrichtung oder Schule liefern. Dadurch können Bedarfe ermittelt werden, um zielgerichtete Maßnahmen der Gesundheitsförderung abzuleiten. Wie auf der Landesebene wird das Instrument von Gesundheitskonferenzen auf kommunaler Ebene für die Bestandsaufnahme beziehungsweise den Aushandlungsprozess von prioritären Handlungsfeldern genutzt. Gesundheitsziele, die daraus hervorgehen könnten, gibt es allerdings bisher nur vereinzelt, wofür die Stadt Greifswald beispielgebend genannt werden kann. Wie schwierig diese Prozesse voranzubringen sind, lässt sich am Kinderschutz ablesen.

Um die Zusammenarbeit von örtlichen Gesundheits- und Jugendämtern zu verbessern, wurde das bundesweite Modellprogramm „Frühe Hilfen“ aufgelegt, das im Jahr 2012 durch das Bundeskinderschutzgesetz eine rechtliche Grundlage erhalten hat. Deshalb ist der alleinigen Fokussierung auf die kommunale Ebene mit Skepsis zu begegnen. Die Zielrichtung in vielen Kommunen besteht auf Grund der schlechten finanziellen Situation vordringlich darin, weitere nicht verpflichtende Aufgaben abzustoßen. Hochschulstandorte nutzen unter dieser Perspektive bereits die Zusammenarbeit mit gesundheitsbezogenen Studiengängen, die verstärkt die regionale Verankerung durch Praxisprojekte, Beratung und wissenschaftliche Expertise suchen. Erfahrungen der Studierenden im Setting einer gesundheitsfördernden Hochschule können so vor allem durch Praktikantinnen und Praktikanten beziehungsweise Absolventinnen und Absolventen in die kommunalen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser und Betriebe transferiert werden.

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