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Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen der Gesundheitsförderung

 

Gesundheitsförderung auf Länderebene

Gesundheit und Bildung sind in Deutschland Ländersache. Die Zuständigkeit für Gesundheit liegt in der Regel bei den Sozial- beziehungsweise Gesundheitsministerien sowie den nachgeordneten Landesbehörden. Die Abstimmung der Länder untereinander und mit der Gesundheitspolitik des Bundes erfolgt über die Gesundheitsministerkonferenz (GMK).

Für die Akzeptanz und die Entwicklung der Gesundheitsförderung auf Länderebene war die Entschließung der 64. Sitzung der GMK über „Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge, Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung in der BRD“ im Jahr 1991 von herausragender Bedeutung. Die GMK war sich darin einig, dass präventive Gesundheitspolitik an Bedeutung gewonnen hatte. Sie hielt es für erforderlich, dass die Begrenzungen der traditionellen Handlungsfelder überwunden und diese durch Maßnahmen der Gesundheitsförderung ergänzt werden. Diese GMKEntschließung wurde zum Basisdokument und zur Legitimationsgrundlage für die Gesundheitsförderung in den Ländern und insbesondere im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), dem sie eine besondere Verantwortung für die Gesundheitsförderung zuwies. Die 16 Länder haben eigene Gesundheitsdienstgesetze, in denen Prävention und Gesundheitsförderung in sehr unterschiedlicher Weise festgeschrieben sind. Dementsprechend hat die Gesundheitsförderung in den zurückliegenden 20 Jahren in den einzelnen Bundesländern eine sehr unterschiedliche Entwicklung genommen.

Interessanterweise haben viele Bundesländer auf Landesebene für Prävention und Gesundheitsförderung eigene Landesvereinigungen und -zentralen für Gesundheit gegründet. Deren Aufgabe sind die Anregung und Koordination von Gesundheitsförderung durch die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, Fortbildungen, Projekten sowie die Bereitstellung von Materialien. Die Landesvereinigungen für Gesundheit sind Nichtregierungsorganisationen, die häufig von den Landesbehörden beziehungsweise über Projektgelder finanziell gefördert werden und als Vereine organisiert sind.

Die Landesvereinigungen für Gesundheit stehen je nach Ausprägung der staatlichen Strukturen auf Landesebene in einem mehr oder weniger konkurrierenden Verhältnis zum traditionellen ÖGD. Ihre Aufgaben bestehen in der Regel in der Durchführung von Landesgesundheitskonferenzen sowie in der Beschlussfassung, Umsetzung und Begleitung der daraus hervorgehenden Landesgesundheitsziele. Darüber hinaus werden Zielsetzungen der Bundesbeziehungsweise Landespolitik verfolgt, indem Modellprojekte aufgelegt beziehungsweise umgesetzt werden.

Das letzte Jahrzehnt war geprägt durch Initiativen zur Kinder- und Jugendgesundheit. Daraus ist zum Beispiel der Kooperationsverbund Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten (seit Ende 2012: Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit) hervorgegangen, an dem sich alle 16 Bundesländer beteiligen. Durch den Regierungswechsel auf Bundesebene im Jahr 2009 und das Auslaufen vieler Handlungsprogramme des Bundes gibt es auf der Ebene der Bundesländer Anstrengungen, die Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken. Häufig geschieht dies unter dem Blickwinkel der demographischen Entwicklung einer immer älter werdenden Bevölkerung beziehungsweise der Diskussion über die gesundheitlichen Risiken im Zuge des Klimawandels. Dies hat sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene dazu geführt, dass nach den Kindern und Jugendlichen die älter werdende Bevölkerung stärker in den gesundheitspolitischen Fokus gerückt ist. Dem wurde im Jahr 2012 durch die Verabschiedung des Bundesgesundheitsziels „Gesund älter werden“ Rechnung getragen.

Hervorgehoben werden soll für die Entwicklung auf Landesebene die Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg. Die Initiative, die von zahlreichen Kooperationspartnern getragen wird, hat unter anderem zum Ziel, in der Verwaltung des Landes auch finanziell das betriebliche Gesundheitsmanagement zu fördern. Dies umfasst somit auch das Personal an Hochschulen und stellt im Ländervergleich bundesweit bisher einen einmaligen Finanzierungsweg dar. Viele, vor allem die kleineren der 48 Hochschulen in Baden-Württemberg sehen sich über den gesetzlich geregelten Arbeitsschutz hinaus zum ersten Mal mit der Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Gesundheitsförderung konfrontiert. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Landesvereinigungen für Gesundheit beziehungsweise der ÖGD kaum Schnittstellen zur Entwicklung einer gesunden Hochschule haben. Eine positive Ausnahme bildet die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., an der seit über 15 Jahren die Koordinationsstelle des bundesweiten Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen (AGH) angesiedelt ist.
 

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