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Entwicklung und gesetzliche
Grundlagen der Gesundheitsförderung

Internationale Entwicklung der Gesundheitsförderung

Die WHO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (vgl. Abb. 1). Sie wurde 1948 in Genf gegründet und bearbeitet alle gesundheitspolitischen Fragestellungen mit dem Ziel, der Bevölkerung in allen 194 Mitgliedsstaaten den bestmöglichen Gesundheitszustand zu gewährleisten.

Es gibt weltweit sechs Regionalbüros:

 

Abb. 1: Ausgewählte Sonderorganisationen und Programme der Vereinten Nationen (UN) sowie die Weltgesundheitsorganisation
(WHO) und ihre sechs Regionalbüros (mod. nach Gareis und Varwick 2006)

Bei der internationalen Entwicklung der Gesundheitsförderung gelten vor allem die Weltgesundheitskonferenzen zur Gesundheitsförderung als wichtige Meilensteine. Die WHO-Gesundheitskonferenzen (vgl. Abb. 2) verstehen sich in erster Linie als eine Antwort auf die wachsenden Erwartungen an eine neue öffentliche Gesundheitsbewegung.

Abb. 2: Historische Wendepunkte und Einflüsse der Gesundheitsförderung auf internationaler Ebene (mod. nach Kaba-Schönstein 2011 a, S. 152)

Es sei an dieser Stelle auf die Leitbegriffe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hingewiesen, die sich vor allem in den Beiträgen von Frau Lotte Kaba-Schönstein ausführlich mit allen Aspekten der Entwicklung der Gesundheitsförderung beschäftigen.

Auf der Konferenz von Alma-Ata, UdSSR, (1978) wird Gesundheit als ein grundlegendes Menschenrecht deklariert und die primäre Gesundheitsversorgung zu einem Schlüsselkonzept der WHO erklärt. Neben dem Gesundheitssektor werden erstmals auch Sozial- und Wirtschaftssektoren als verantwortlich für die gesundheitliche Entwicklung benannt und deren Zusammenwirken wird unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger als notwendig erachtet. Die Deklaration von Alma-Ata ist ein zentrales Dokument der Strategie „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ und Grundlage der daraus hervorgehenden Zielsetzungen zur Gesundheitsförderung. Die gesundheitspolitischen Ziele, die in dieser Strategie festgehalten sind, gehen auf die Resolution der 30. Weltgesundheitsversammlung in Genf aus dem Jahr 1977 zurück. Dort wurden die vorrangigen Ziele von der WHO und den Regierungen festgeschrieben.

In den folgenden Jahrzehnten sollte nach Möglichkeit ein bestimmter Grad an Gesundheit für alle Bürgerinnen und Bürger bis zum Jahr 2000 erreicht werden, der es ihnen ermöglicht, ein sozial und ökonomisch produktives Leben zu führen. Im Jahr 1998 wurde die Strategie umbenannt in „Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert, Gesundheit21“, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. Auf der 62. Tagung des Regionalkomitees für Europa wurde im September 2012 das „Europäische Rahmenkonzept ,Gesundheit 2020‘ für gesamtstaatliches und gesamtgesellschaftliches Handeln zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden“ proklamiert. Die 53 Mitgliedsstaaten der WHO Europa haben sich auf das gemeinsame Rahmenkonzept „Gesundheit 2020“ geeinigt und legen darin die strategische Ausrichtung und die grundlegenden politischen Handlungsfelder der Mitgliedsstaaten und des WHO-Regionalbüros für Europa fest.

Das Rahmenkonzept bestätigt und aktualisiert die zentralen Aspekte von „Gesundheit für alle“. „Gesundheit 2020“ unterstützt und ermutigt die Gesundheitsministerien der Länder, die zentralen Akteure zur Erreichung dieser Ziele für eine gesündere europäische Region zusammenzuführen. Die strategischen Ziele von „Gesundheit 2020“ sind die Verbesserung der Gesundheit für alle und die Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheiten sowohl innerhalb als auch zwischen den Mitgliedsländern. Des Weiteren wird die Verbesserung von Führung und partizipatorischer Steuerung für die Gesundheit angestrebt. Die vier vorrangigen Handlungsfelder dieses Rahmenkonzeptes sind:

Das Konzept und die Prinzipien der Gesundheitsförderung werden seit den 1980er Jahren in den Industriestaaten Europas, Nordamerikas und Australiens kontinuierlich fortgeschrieben. Für diese Entwicklung waren insbesondere die Konferenzen von Ottawa (1986) und Jakarta (1997) ausschlaggebend. Im Folgenden werden die bisher insgesamt acht Gesundheitsförderungskonferenzen der WHO einzeln vorgestellt.

1986 Ottawa, Kanada 1. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Auf der 1. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Ottawa, Kanada, ist die Ottawa-Charta unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus 35 Ländern, hauptsächlich Industriestaaten, verabschiedet worden. Die Ottawa-Charta gilt bis heute als das Schlüsseldokument der weiteren konzeptionellen Entwicklung und der internationalen Verbreitung von Gesundheitsförderung. In der Ottawa-Charta wird Gesundheitsförderung wie folgt definiert: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie dadurch zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (WHO 1986, S. 1). Die Ottawa-Charta wird seither in den Folgekonferenzen zur Gesundheitsförderung stets bilanziert und kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Ottawa-Charta benennt für die Gesundheitsförderung drei zentrale Handlungsstrategien:

1988 Adelaide, Australien 2. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Auf der 2. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Adelaide, Australien, wird die erste Handlungsebene „Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik“ der Ottawa-Charta weiter ausdifferenziert.
In den Adelaide-Empfehlungen werden Gesundheit und Chancengleichheit als zentrale Elemente aller Politikbereiche, einschließlich der Verantwortung, für Gesundheitsverträglichkeit vorgeschlagen. Sogenannte Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen (Health Impact Assessment) zielen darauf ab, Planungsmaßnahmen auf potenzielle gesundheitliche Konsequenzen und deren Verteilung in der Bevölkerung zu prüfen beziehungsweise in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Die Schaffung von unterstützenden physischen und sozialen Umwelten, in denen Menschen befähigt werden, ein gesundes Leben zu führen („make the healthier choice the easiest choice“), wird ebenso hervorgehoben.

Die Adelaide-Empfehlungen benennen für die Gesundheitsförderung sechs zentrale Handlungsbereiche:

1991 Sundsvall, Schweden 3. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Die 3. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung in Sundsvall, Schweden, widmet sich der zweiten Handlungsebene der Ottawa-Charta „Schaffung gesundheitsfördernder Lebenswelten“. Sie ist die erste Konferenz mit globaler Beteiligung (81 Länder) und einer gleichgewichtigen Teilnahme von Delegierten aus Industrie- und Entwicklungsländern. Die Delegierten rufen in der Sundsvall-Stellungnahme dazu auf, sich aktiv an der Schaffung und Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten zu beteiligen und den Gesundheits- und Umweltbereich miteinander zu verknüpfen. Themen wie zum Beispiel gesundheitliche Chancengleichheit, Armut sowie Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung sind hier von zentraler Bedeutung. Es wurde festgestellt, dass das Ziel von Alma- Ata „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ nicht zu erreichen ist.

1997 Jakarta, Indonesien 4. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Die 4. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung in Jakarta, Indonesien, steht unter dem Motto „Neue Akteure für eine neue Ära: Gesundheitsförderung auf dem Weg ins 21. Jahrhundert“. Die Konferenz, die erstmals in einem sogenannten Entwicklungsland stattfindet und den privatwirtschaftlichen Sektor einbezieht, bilanziert die Erfahrungen und Ergebnisse seit der Verabschiedung der Ottawa- Charta. Die Kernbereiche und Strategien der Ottawa-Charta werden bestätigt, neu bewertet und weiterentwickelt. Die Definition der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung weist in der Jakarta-Erklärung folgende Veränderungen auf: „Gesundheitsförderung ist ein Prozess, der Menschen befähigen soll, mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen und sie zu verbessern durch Beeinflussung der Determinanten für Gesundheit“.

Die Jakarta-Erklärung benennt für das 21. Jahrhundert fünf Prioritäten:

2000 Mexiko-Stadt, Mexiko 5. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Die 5. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung in Mexiko-Stadt, Mexiko, fokussiert das Thema „Abbau gesundheitlicher Chancenungleichheiten“. Erstmals finden hier zwei parallel ablaufende Programme an zwei Tagen statt. Eines der Programme ist gänzlich auf die Delegation der (Gesundheits-) Ministerien ausgerichtet. Die Konferenz verabschiedet eine Erklärung zur Gesundheitsförderung, die nicht nur die geladenen Delegierten, sondern auch die Gesundheitsminister der teilnehmenden Staaten betrifft. Die Erklärung beinhaltet folgende Vorhaben: „Die Lücke der Gleichstellung schließen“ und „den Rahmen für landesweite Aktionspläne zur Gesundheitsförderung [ausweiten]“. Im Rahmen der Strategie „Gesundheit21“ wird eine Verbindung der praktischen Anwendung der Mexiko- Erklärung mit aktuellen Prozessen zur Entwicklung von nationalen Gesundheitszielen und -indikatoren hervorgehoben. Die Mexiko-Erklärung fokussiert zwei zentrale Anliegen:

Des Weiteren werden folgende drei Anwendungsbereiche von Gesundheitsförderungsstrategien und -methoden benannt: • Verbesserung von Determinanten der Gesundheit beziehungsweise Gesundheitsfaktoren sowie Abbau von Krankheits- beziehungsweise Risikofaktoren • alle Bevölkerungsgruppen und Settings • alle gesellschaftlichen Ebenen

2005 Bangkok, Thailand 6. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Auf der 6. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Bangkok, Thailand, wird unter dem Motto „Handlungsbedarf bei Politik und Partnerschaft: Gesundheitsdeterminanten“ die Bedeutung von Gesundheitsförderung beziehungsweise der Globalisierung und der Auswirkungen auf die Gesundheit sowohl für Entwicklungs- und Schwellenländer als auch für Industriestaaten betont. Auf der Konferenz wird die Bangkok- Charta zur Gesundheitsförderung in einer globalen Welt gemeinschaftlich verabschiedet. Sie zeigt die Bedeutung von Gesundheitsförderung in einem neuen, globalen Kontext und fordert unter anderem zu einem globalen Gesundheitsabkommen auf. Die Entwicklungsziele für das 21. Jahrhundert (Millennium Development Goals) haben das Thema Gesundheit bereits verstärkt ins Zentrum der Aktivitäten unterschiedlicher Politikbereiche gerückt.

Die Bangkok-Charta benennt vier Schlüsselbereiche, in denen Gesundheitsförderung zu verorten ist:

2009 Nairobi, Kenia 7. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Auf der 7. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Nairobi, Kenia, wird das Thema „Förderung von Gesundheit und Entwicklung: die Lücke der Implementation schließen“ unter Beteiligung von Delegierten aus 100 Ländern behandelt. Auf Grundlage der Entwicklungen seit der Verabschiedung der Ottawa-Charta lässt sich mittlerweile die Bedeutung von Gesundheitsförderung als integrative und kostengünstige Strategie und essentielle Komponente von Gesundheitssystemen belegen. In der Nairobi-Erklärung fordern die Delegierten die Regierungen, Zivilgesellschaft, Entwicklungsorganisationen und Gesundheitsdienste auf, Gesundheitsförderungsprogramme gemeinsam zu stärken und zu verankern, um dadurch die Zahl der vermeidbaren Krankheiten und vorzeitigen Todesfälle zu reduzieren. Die Potenziale der Gesundheitsförderung sollen verstärkt genutzt und Prinzipien der Gesundheitsförderung in alle Politikbereiche integriert werden. Dabei gilt es, vermehrt passende und nachhaltige Umsetzungsstrategien zu etablieren.

Die Nairobi-Erklärung benennt fünf zentrale Anwendungsbereiche:

Ebenso werden fünf Verantwortungsbereiche für Regierungen und Entscheidungsträger vorgestellt:

2013 Helsinki, Finnland 8. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung

Die 8. Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung fand im Juni 2013 unter dem Motto „Health in all policies“ in Helsinki, Finnland, statt.
 

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