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Prävention und Gesundheitsförderung
 

  Einführung
  Gesundheit und Krankheit
  Prävention
  Gesundheitsförderung
  Ziele, Zielgruppen und Handlungsstrategien
bzw. -bereiche der Gesundheitsförderung
  Prinzipien und Merkmale der Gesundheitsförderung
  Der Setting-Ansatz in der Gesundheitsförderung
  Vernetzung als Strategie der Gesundheitsförderung

 

Einführung

In der Literatur findet sich eine Vielzahl an Definitions- und Abgrenzungsversuchen von Prävention und Gesundheitsförderung, wobei hinsichtlich der Verwendung beider Begriffe zum Teil erhebliche Differenzen bestehen. Im Folgenden werden Merkmale sowie Möglichkeiten der Abgrenzung der Begriffe dargestellt.
 

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Gesundheit und Krankheit

Bei der Betrachtung unterschiedlicher Sichtweisen von Gesundheit und Krankheit ergibt sich eine Vielzahl an Differenzierungskriterien. Aus einer wissenschaftlichen Perspektive heraus werden verschiedene Dimensionen von Gesundheit und Krankheit (zum Beispiel physische, psychische, soziale und emotionale), unterschiedliche Auffassungen von Gesundheit und Krankheit (zum Beispiel als alternative Zustände oder als Endpunkte eines gedachten Kontinuums mit fließenden Übergängen zwischen beiden Polen) sowie unterschiedliche Konzepte (zum Beispiel krankheits-, risikofaktorenorientiert = Pathogenese; gesundheits-, ressourcenorientiert = Salutogenese) diskutiert. Dem gegenüber stehen die individuellen, subjektiven Gesundheits- beziehungsweise Krankheitszustände sowie die verschiedenen Laienkonzepte (subjektive Konzepte oder Alltagskonzepte) von Gesundheit und Krankheit, die sich je nach zum Beispiel Gesellschaft, Kultur, Religion, Geschlecht, Alter oder sozialer Schichtzugehörigkeit voneinander unterscheiden.

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Prävention

„Prävention“ (lat. praevenire = zuvorkommen) beschreibt die Verhütung von Krankheiten durch Maßnahmen zur Minimierung von Krankheitsursachen und -risiken, durch Früherkennung und -behandlung oder durch Vermeidung des Fortschreitens einer bestehenden Krankheit. Es werden je nach Zeitpunkt einer Maßnahme die drei Präventionsebenen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterschieden. In Bezug auf die unterschiedliche Dimension und Handlungsebene der Zielgruppen wird von universaler (bevölkerungsbezogener), selektiver (= fest umrissene Zielgruppe) beziehungsweise indizierter Prävention (Gruppen und Individuen) gesprochen. Selektive und indizierte Prävention beziehen sich auf Risikoträger beziehungsweise Träger mit manifesten Störungen. Als Basisstrategien gelten Verhaltens- und Verhältnisprävention.

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Gesundheitsförderung

In der Ottawa-Charta (1986) heißt es, dass Gesundheitsförderung auf einen Prozess zielt, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung betrifft nicht nur den Gesundheitssektor, sondern alle Politikbereiche. Sie strebt die Entwicklung gesunder Lebensweisen und die Förderung eines umfassenden Wohlbefindens an. Auf der vierten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung (Jakarta, 1997) wurde diese Definition erweitert. Gesundheitsförderung wird nunmehr als ein Prozess verstanden, der Menschen befähigen soll, mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen und sie durch Beeinflussung der Determinanten für Gesundheit zu verbessern.  

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Ziele, Zielgruppen und Handlungsstrategien
bzw. -bereiche der Gesundheitsförderung

Im Folgenden wird stichpunktartig auf die Ziele und die Zielgruppen der Gesundheitsförderung eingegangen. Eine praxisnahe Übersicht über zentrale Handlungsstrategien und -bereiche wird ebenso vorgestellt.

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Prinzipien und Merkmale der Gesundheitsförderung

Die grundlegenden Prinzipien und Merkmale der Gesundheitsförderung lassen sich wie folgt zusammenfassen.

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Der Setting-Ansatz in der Gesundheitsförderung

Ein Setting wird einerseits als soziales System beschrieben, das eine Vielzahl relevanter Umwelteinflüsse auf eine bestimmte Personengruppe umfasst. Andererseits ist es ein System, in dem die Bedingungen von Gesundheit und Krankheit gestaltet werden können. Settings sind die Basis für die praktische Anwendung von Maßnahmen, Projekten und Prozessen zur Organisationsentwicklung der Gesundheitsförderung. Durch ihre Organisationsstruktur und ihre sozialen Gefüge haben Settings einen entscheidenden Einfluss auf die dazugehörigen Individuen und Statusgruppen. Beispiele für einzelne Settings sind Stadt, Stadtteil, Kommune, Betrieb beziehungsweise Unternehmen, Krankenhaus, ambulante Praxis, Pflegeeinrichtung, Familie, Kindertageseinrichtung, Schule und Hochschule.

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Vernetzung als Strategie der Gesundheitsförderung

Eine der drei zentralen Handlungsstrategien in der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung lautet „vermitteln und vernetzen“ (engl. mediate). Gemäß der WHO ist „vermitteln und vernetzen“ ein Prozess, durch den die verschiedenen Interessen von Individuen und Gemeinschaften sowie unterschiedlichen Sektoren in Einklang gebracht werden, mit dem Ziel, die Gesundheit zu erhalten, zu schützen beziehungsweise zu fördern. Gesundheitsförderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ein Zusammenwirken aller relevanten Bereiche und Akteure, das heißt die Koordination und Kooperation der Regierungen, der Gesundheits-, Sozial-, Wirtschafts- und Umweltsektoren, der nicht staatlichen Verbände, der Initiativen, der Medien und so weiter erfordert. Den Fachkundigen und Expertinnen beziehungsweise Experten des Gesundheitswesens kommt in der Anwendung von „vermitteln und vernetzen“ zwischen den verschiedenen Interessen dieser Akteure eine besondere Verantwortung zu.