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Methoden der Gesundheitsförderung
 

  Einführung
  Arbeitssituationsanalyse
  Arbeitsunfähigkeitsdaten
  Benchmarking
  Experteninterview
  Fokusgruppe
  Gefährdungsbeurteilung
  Gesundheitsbericht
  Gesundheitswerkstatt der Techniker Krankenkasse
  Gesundheitszirkel
  Gütesiegel
  Hochschulbezogene Gesundheitsberichterstattung
  Mitarbeiter- bzw. Studierendenbefragung
  Onlinebefragung
  Unfallstatistiken
  Wettbewerb
  Instrumente der Gesundheitsförderung
  Projektmanagement in der Gesundheitsförderung

 

Einführung

Im Folgenden sollen die wichtigsten Methoden und Instrumente der Gesundheitsförderung im Allgemeinen und deren Bezug zur gesundheitsfördernden Hochschule im Besonderen vorgestellt werden. Es wird deutlich, dass viele der hier vorgestellten Methoden multifunktional sind. So kann zum Beispiel ein Gesundheitszirkel sowohl zur Analyse der Ausgangssituation, zur Planung als auch zur Evaluation von präventiven beziehungsweise gesundheitsfördernden Maßnahmen genutzt werden.


 

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Arbeitssituationsanalyse

Die Arbeitssituationsanalyse ist ein Gruppendiskussionsverfahren, mit dem in kurzer Zeit die wichtigsten psychischen und körperlichen Belastungsfaktoren eines Unternehmens, einzelner Abteilungen oder Arbeitsbereiche identifiziert werden können. Es handelt sich um ein qualitatives Verfahren, das einen ähnlichen Ansatz wie der Gesundheitszirkel verfolgt. Bei der Arbeitssituationsanalyse werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst als Experten ihrer Arbeitssituation begriffen. In strukturierten Gruppendiskussionen werden sowohl gesundheitsfördernde und motivierende als auch belastende, das heißt gesundheits- oder motivationsbeeinträchtigende sowie krankmachende Faktoren der Arbeitssituation herausgearbeitet und realisierbare Verbesserungsvorschläge entwickelt. Die Arbeitssituationsanalyse wird im Rahmen einer strukturierten und moderierten Gruppenbefragung und -diskussion mit ausgewählten Beschäftigten durchgeführt. Ziel der Analyse ist es, die subjektiven Einschätzungen zur Arbeitssituation und die daraus resultierenden gesundheitlichen Belastungen der Beschäftigten zu ermitteln.

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Arbeitsunfähigkeitsdaten

Die Arbeitsunfähigkeitsdaten (AU-Daten) der Krankenkassen können für betriebliche, branchen- und berufsgruppenbezogene Gesundheitsberichte genutzt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen mit traditionell starker Anbindung an die Arbeitswelt veröffentlichen dazu Berichte seit über 30 Jahren. Die AU-Daten sind ein Teil der Routinedaten, die durch die Krankenversicherungen beziehungsweise Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung gestellt werden können.

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Benchmarking

Benchmarking ist ein Management- und Steuerungsinstrument zur Verbesserung der Unternehmenspraxis. Es dient der Prozessoptimierung und Kostenreduzierung. Benchmarking gewinnt seinen besonderen Wert durch den Vergleich der eigenen Praxis mit der besten Praxis. Es bezeichnet den Prozess zielorientierter, systematischer Vergleiche von Produkten und Dienstleistungen, Organisationsstrukturen und Abläufen zwischen Unternehmen beziehungsweise Organisationen. Ein wesentliches Element des Benchmarkings liegt in dem Finden und Anwenden von Qualitäts- und Bewertungskriterien. Benchmarking kann einen Mehrwert schaffen, weil es dem Erfahrungsaustausch im Rahmen des Aufbaus von Kooperationsstrukturen einen formalisierten und strukturierten Rahmen gibt.  

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Experteninterview

Ein Experteninterview ist ein Interview, bei dem Personen eines Unternehmens in ihrer Eigenschaft als Expertinnen und Experten für ein bestimmtes Themengebiet befragt werden. Gegenstand des Interviews sind die Aufgaben beziehungsweise Tätigkeiten und das daraus hervorgehende Spezialwissen dieser Personen. Experteninterviews zeichnen sich durch eine offene Fragestruktur mit einem inhaltlich vorstrukturierten Ablauf aus. Experteninterviews werden im betrieblichen Gesundheitsmanagement sowohl im Kernprozess der Diagnose als auch bei der Evaluation eingesetzt.

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Fokusgruppe

Eine Fokusgruppe stellt eine spezielle Form der moderierten Gruppendiskussion dar, bei der die Teilnehmer einer kleinen Gruppe ihre Meinungen, Erfahrungen und Ideen zu einem bestimmten Thema beziehungsweise Problembereich einbringen. Ziel der Diskussion ist es, in kurzer Zeit möglichst viele unterschiedliche Facetten eines spezifischen Themas zu erörtern. Im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements können Fokusgruppen als Diagnoseund auch als Interventionsmethode zum Einsatz kommen. Sie knüpfen dabei an Instrumente und Vorgehensweisen von Qualitäts- beziehungsweise Gesundheitszirkeln an. Gemeinsames Merkmal der verschiedenen betrieblichen Kleingruppenmodelle ist ihr mitarbeiterorientierter und partizipativer Ansatz. Fokusgruppen ermöglichen zudem die schnelle und effiziente Bearbeitung von komplexen Aufgabenstellungen.

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Gefährdungsbeurteilung

Seit 1996, mit Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG), ist der Arbeitgeber verpflichtet, alle gesundheitsrelevanten Arbeitsbedingungen bezüglich einer möglichen Gefährdung zu beurteilen, zu dokumentieren und Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes daraus abzuleiten beziehungsweise durchzuführen und diese hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu überprüfen. Eine besondere Herausforderung stellen die Analyse und die Beurteilung der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz dar. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat dazu im Jahr 2013 ein Handbuch herausgegeben (www.gefaehrdungsbeurteilung.de).

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Gesundheitsbericht

Ein Gesundheitsbericht ist ein Ergebnisbericht eines Situationsanalyse-, Dokumentations- oder Evaluationsprozesses. Gesundheitsberichte liefern die Grundlage für Planung, Umsetzung und Bewertung von Aktivitäten der Gesundheitsförderung. Alle in diesem Abschnitt eingeführten Methoden der Gesundheitsförderung können als Datenquellen für den Gesundheitsbericht herangezogen werden.

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Gesundheitswerkstatt der Techniker Krankenkasse

Die Gesundheitswerkstatt der Techniker Krankenkasse (TK) ist im Kern ein Gruppendiskussionsverfahren. Sie integriert im ersten Schritt inhaltlich die klassische Arbeitssituationsanalyse. In einem weiteren Schritt können die Beschäftigten erste Veränderungswünsche und Verbesserungsvorschläge einbringen. Elemente der Zukunftswerkstatt, der systemischen Organisationsberatung und der Arbeitssituationsanalyse sind im Konzept der TK-Gesundheitswerkstatt miteinander verknüpft. Die TK-Gesundheitswerkstatt folgt dem Ansatz der Salutogenese nach Aaron Antonovsky.

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Gesundheitszirkel

Gesundheitszirkel sind eine Form der betrieblichen Kleingruppenarbeit. In Gesundheitszirkeln treffen sich Beschäftigte, um über Belastungen am Arbeitsplatz zu sprechen, deren Ursachen zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Der Grundgedanke eines Gesundheitszirkels ist es, Arbeitsbelastungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht von oben (top-down), sondern durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst (bottom-up) zu bearbeiten, da sie die Expertinnen und Experten für ihren Arbeitsplatz sind. Gesundheitszirkel sind ein weit verbreitetes und bewährtes Instrument zur Analyse, Planung, Umsetzung und Evaluation von Gesundheitsförderung im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

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Gütesiegel

Ein Gütesiegel, Gütezeichen oder Qualitätssiegel soll das „Produkt“ Hochschule für die Gewährleistung bestimmter Rahmenbedingungen verlässlich auszeichnen. In dem damit einhergehenden Wettbewerb der Hochschulen untereinander sind zahlreiche Aktivitäten erfolgt. Diese zielten darauf ab, ein charakteristisches Profil auszubilden, um in Zukunft auch vermehrt Studierende beziehungsweise Personal an die Hochschule zu binden. An dieser Stelle sei auf die gesetzlichen Vorschriften und Qualitätsstandards im Arbeits- (zum Beispiel Deutsches Institut für Normung – DIN) und Umweltschutz (Eco-Management and Audit Scheme, EMAS) verwiesen.

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Hochschulbezogene Gesundheitsberichterstattung

Eine allgemeine Gesundheitsberichterstattung zielt auf eine strukturierte Beschreibung der gesundheitlichen Situation und Ermittlung des Versorgungsbedarfs der Bevölkerung. Im Idealfall können Wiederholungsmessungen und Vergleiche mit anderen Studien durchgeführt werden. Analog dazu ist eine hochschulbezogene Gesundheitsberichterstattung eine periodische Erhebung zur Gesundheit von Statusgruppen im Setting Hochschule. Als Analyseinstrument liegt deren Nutzen vor allem in der Steuerung und Vorbereitung beziehungsweise Begründung von Interventionen. Die hochschulbezogene Gesundheitsberichterstattung erfasst sowohl Belastungen als auch Ressourcen von Gesundheit und relevante Gesundheitsverhaltensweisen im Setting Hochschule. Gleichzeitig erfolgt auch eine Erhebung der allgemeinen Studienbedingungen, um Wirkungszusammenhänge deutlich zu machen. Eine Aussage zum Versorgungsbedarf ist zentrales Anliegen der hochschulbezogenen Gesundheitsberichterstattung.

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Mitarbeiter- beziehungsweise Studierendenbefragung

Eine Mitarbeiter- beziehungsweise Studierendenbefragung ist eine Befragung mit Hilfe eines standardisierten oder teilstandardisierten Fragebogens durch interne Fachkräfte (zum Beispiel Gesundheitsbeauftragte oder Gesundheitsbeauftragter, Personalabteilung, Betriebsärztin oder Betriebsarzt) oder durch externe Fachkräfte (zum Beispiel Institut für Sozialforschung). Mitarbeiterbeziehungsweise Studierendenbefragungen dienen der Lokalisierung von Stärken und Schwächen im Unternehmen beziehungsweise in der Hochschule. Die Befragungen können zu einer stärkeren Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierenden mit dem Unternehmen beziehungsweise der Hochschule führen. Führungskräfte oder Lehrende erhalten durch die Befragung ein Feedback zum Führungsverhalten und zur Methodik der Lehre.

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Onlinebefragung

Eine Onlinebefragung ist eine Querschnittserhebung, die für eine Momentaufnahme sehr gute Ergebnisse liefern kann. Im Hochschulkontext können Inhalte einer Onlinebefragung zum Beispiel Fragen zur sozialen Herkunft, zu den Studienbedingungen, zum subjektiven Gesundheitszustand beziehungsweise zum Gesundheitsverhalten sein. Ein entsprechendes Befragungsinstrument wurde an der Freien Universität Berlin entwickelt und kann mit Unterstützung der TK auch anderen Hochschulen zur Verfügung gestellt werden.

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Unfallstatistiken

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Studierenden einer Hochschule sind über die gesetzliche Unfallversicherung sowohl bei den Wegeunfällen als auch bei Unfällen am Arbeits- beziehungsweise Studienplatz abgesichert. In Bezug auf die verbeamteten Beschäftigten gibt es in den 16 Ländern unterschiedliche Regelungen. Die Unfallmeldungen werden mit zeitlicher Verzögerung von gut einem Jahr durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) als Jahresbericht auf der Internetpräsenz (www.dguv.de) veröffentlicht. Dies erfolgt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeitsunfallstatistik im öffentlichen Dienst. Für die 2,5 Millionen Studierenden wird dies unter der Rubrik Schülerunfallgeschehen dargestellt. Die Unfallkasse subsumiert unter dem Begriff „Schüler“ Kinder in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege, Schüler und Schülerinnen sowie Studierende. Zusätzlich gibt es jährlich eine mehrseitige Überblicksinformation unter der Rubrik Hochschulunfälle.

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Wettbewerb

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Wettbewerbe im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung ausgeschrieben und durchgeführt. Der „Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen“ wurde vom AGH in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und der TK durchgeführt. Er sollte die Qualitätsdiskussion in die Hochschulen tragen sowie die Auseinandersetzung mit ganzheitlichen Aktivitäten auf dem Weg zu einer gesunden Hochschule fördern. Alle deutschen Hochschulen waren eingeladen am Wettbewerb teilzunehmen. Es wurden aktivierende Maßnahmen, Projekte und Organisationsentwicklungsprozesse ausgezeichnet, die vorbildhaft zur Entwicklung einer gesundheitsfördernden Hochschule beitragen können. Der Bewerbungszeitraum war vom November 2010 bis zum Februar 2011.

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Instrumente der Gesundheitsförderung

Die folgende Übersicht stellt potenzielle Instrumente vor, die im Rahmen von Hochschulen eingesetzt werden können, um präventive beziehungsweise gesundheitsfördernde Maßnahmen entsprechend den oben vorgestellten Methoden umzusetzen. Die Tabelle 7 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient lediglich der Orientierung.

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Projektmanagement in der Gesundheitsförderung

In der Gesundheitsförderung umfasst ein Projekt sowohl die Entwicklung individueller und kollektiver Gesundheitskompetenzen (Personalentwicklung) als auch die Entwicklung und Implementierung gesundheitsförderlicher Strukturen und Organisationsformen (Organisationsentwicklung).