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Statusgruppen an Hochschulen
 

Gesundheit von Studierenden

Studierende bilden die größte Statusgruppe im Setting Hochschule. Die Studienzeit gilt als zeitlich begrenzte Entwicklungsphase von besonderer Qualität und verlangt von den Studierenden ein hohes Maß an Selbstmanagement. Herausforderungen liegen sowohl in der Finanzierung des Studiums als auch im privaten sowie sozialen Bereich. Im Studium können gesundheitsbezogene Lebensstilfaktoren geformt und gefestigt sowie Ressourcen entwickelt werden. Belastungen der Studienphase ergeben sich zum Beispiel aus Leistungsanforderungen, hohem Zeitaufwand, Verdichtung der Studienabläufe, häufiger Orientierungs- und Perspektivlosigkeit, Doppeltund Dreifachbelastung durch Nebentätigkeiten und/oder Familiengründung sowie fehlende beziehungsweise unzureichende Entspannungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Es wird prognostiziert, dass in Deutschland in Zukunft sogar bis zu 50 Prozent eines Altersjahrgangs studieren werden.

Das Thema Gesundheit von Studierenden hat Konjunktur. Medien berichten über gesundheitliche Probleme der Studierenden, wodurch der Eindruck entsteht, dass sich der Gesundheitszustand von Studierenden drastisch verschlechtert hat. Es wird dabei zumeist von der Hypothese ausgegangen, dass sich Studentinnen und Studenten von ihren nicht studierenden Altersgenossen durch besondere Merkmale unterscheiden. Im Vordergrund stehen dabei die im Vergleich zu den gleichaltrigen Berufstätigen noch vielfältigen Abhängigkeiten in finanzieller und institutioneller Hinsicht. Da sich Studierende in der Regel erst Mitte des dritten oder im vierten Lebensjahrzehnt vollständig vom Elternhaus lösen, könnte dies den Prozess der Entwicklung psychosozialer und materieller Unabhängigkeit erschweren. Im medizinischen Sinne gelten die Studierenden als gesunde Altersgruppe.

Die Entwicklung des wissenschaftlichen Interesses an den gesundheitlichen Belangen von Studierenden in Deutschland kann im Wesentlichen in drei Phasen zusammengefasst werden. In der ersten Phase konzentrieren sich die Studien auf Untersuchungen zur psychischen Gesundheit, deren Ursprünge bis in die 1960er Jahre zurückreichen und im Zusammenhang mit der Gründung der ersten studentischen Beratungsstellen stehen. Studien der zweiten Phase auf den Gesundheitszustand und die gesundheitlichen Verhaltensweisen sowie die Ressourcen von Studierenden. Sie stehen im Zusammenhang mit der Etablierung der Gesundheitswissenschaften in den 1990er Jahren. Die dritte Phase ist eng verknüpft mit dem bildungspolitischen Diskurs des letzten Jahrzehnts, vor allem mit den Veränderungen der Studienstrukturen im Zuge der sogenannten Bologna-Reform. Hier stehen die Stressbelastungen durch die spezifische Studiensituation in Bachelorstudiengängen im Vordergrund. Die Erhebungsbereiche aller Studien konzentrieren sich dabei in aufsteigender Reihenfolge auf folgende Schwerpunkte bezogen auf die Studierenden:

Förderungsprojekte der Techniker Krankenkasse (TK) im Kontext einer gesundheitsfördernden Hochschule

Beispiel 1 | Gesundheitssurvey für Studierende in Nordrhein-Westfalen


Das Gesundheitslabor der Arbeitsgruppe Bevölkerungsmedizin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld führte mit Unterstützung der TK und der Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen einen Gesundheitssurvey für Studierende an 13 Universitäten und vier Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen durch. Das Projekt startete 2005 und war zunächst für die Dauer von zwei Jahren angelegt. Die Erhebungen erfolgten im Sommersemester 2006 und im Wintersemester 2006/2007. Ziel des Gesundheitssurveys Nordrhein-Westfalen war die Erfassung von Gesundheitsressourcen und -risiken der Studierenden. Es sollten nach Möglichkeit Präventionspotenziale erkannt werden, um geeignete Maßnahmen und Interventionen für die Gesundheitsförderung dieser Statusgruppe aus einer verlässlichen Datenbasis abzuleiten. Im Fokus der landesweiten Befragung standen Aspekte der mentalen Gesundheit.

Die Ergebnisse sind auf der Internetpräsenz des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen (www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de) sowie in den Fachpublikationen nachzulesen.

Insgesamt ist festzustellen, dass es zunehmend verlässliche Daten zur aktuellen gesundheitlichen Lage von Studierenden gibt. Was fehlt, sind allerdings aussagekräftige und umfassende Längsschnittstudien, aus denen wissenschaftlich fundierte und komplexe Empfehlungen für die Praxis abgeleitet werden können.

Förderungsprojekte der Techniker Krankenkasse (TK) im Kontext einer gesundheitsfördernden Hochschule

Beispiel 2 | Gesundheitsberichterstattung bei Studierenden


Seit 2008 werden periodische Erhebungen zum Thema Gesundheit im Studium (GiS) an der Freien Universität Berlin durchgeführt. Die Daten werden mittels Onlinebefragungen gewonnen und die Ergebnisse in Projektberichten beziehungsweise einzelnen projektbezogenen Veröffentlichungen festgehalten. Das empirische Design entspricht seit 2010 einer Kombination aus Querund Längsschnittstudie. Die Daten ermöglichen nunmehr eine vergleichende Betrachtung der gewonnenen Erkenntnisse. Die wiederkehrenden Themen der Onlinebefragungen sind:

Die Erfahrungen der Freien Universität Berlin können seit 2012 auch durch andere Hochschulen genutzt werden.

Kontakt: Dr. Dr. Burkhard Gusy: University Health Report – Eine Kooperation verschiedener Hochschulen in der Gesundheitsberichterstattung bei Studierenden

Mit einer hochschulbezogenen Gesundheitsberichterstattung, wie sie im Beispiel 2 vorgestellt wird, soll eine Grundlage für spezifisch abzuleitende Aktivitäten und deren Wirkung geschaffen werden. Zurzeit gibt es in Deutschland noch keine etablierte hochschulbezogene Gesundheitsberichterstattung, aus der eine repräsentative Datenbasis gewonnen werden könnte.

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